Werbevideo mit KI × was es für dich bedeutet
Ein Werbevideo.Ohne Schnittprogramm.
Von Ben Korbach, zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2026
1.110
Einzelbilder, jedes einzeln berechnet
7
Szenen, jede mit einer Aufgabe
193
Geräusche, alle per Code erzeugt
2
Formate aus derselben Vorlage: 4:5 und 9:16
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein KI-System kann ein Werbevideo komplett als Code bauen: Szenen programmieren, Einzelbilder fotografieren, zu einer MP4-Datei zusammenkleben.
- Den Qualitätssprung bringt die Prüfschleife: Die KI schaut sich ihre eigenen Probebilder an und korrigiert, bevor ein Mensch das Video sieht.
- Außer dem KI-Abo hat das Video nichts gekostet. Browser, Video-Werkzeug und Musik sind kostenlos.
- Die Musik wählt der Mensch, weil die KI nicht hören kann. Bei Gratis-Musik zusätzlich auf die Kennzeichnung „Content ID“ achten.
Wie entsteht ein Video aus Code?
Statt zu filmen, schreibt die KI eine Webseite, auf der sich Schrift, Formen und Bilder bewegen, und zwar so, dass jeder Moment genau berechnet ist. Dann blättert sie dieses Daumenkino Seite für Seite durch und klebt die Seiten zu einem Video zusammen.
Schritt 1
Seite schreiben
Die KI beschreibt jede Szene als Code: was wo steht, wann es erscheint, wie es sich bewegt.
Schritt 2
Fotografieren
Ein unsichtbarer Browser stellt 30-mal pro Sekunde den nächsten Moment ein und macht ein Foto davon.
Schritt 3
Zusammenkleben
Ein kostenloses Video-Werkzeug fügt die Fotos und die Tonspur zu einer fertigen MP4-Datei zusammen.
Die Werkzeuge dahinter heißen Chrome (der Browser) und ffmpeg (das Video-Werkzeug), beide kostenlos, beide liefen auf meinem Laptop. Programmiert habe ich dabei nichts. Ich habe den Auftrag gegeben, die Musik ausgewählt und das Ergebnis freigegeben.
So ist das Video entstanden, in sechs Schritten
- 1
Fakten prüfen
Bevor ein Bild entsteht, gleicht mein System ab, was stimmt: Uhrzeit und Ablauf aus meinem Kalender, der Text auf meiner Website, die Zahl der Newsletter-Leser. Dabei fiel ihm auf, dass auf meiner Website noch „Zoom“ stand, obwohl die Sprechstunde über Google Meet läuft.
- 2
Drehbuch in sieben Szenen
Problem, Lösung, wann, was, mit wem, wie du dich einträgst, Schluss mit der Adresse. Jede Szene hat genau eine Aufgabe.
- 3
Meine Marke einhalten
Farben, Schrift, Ecken, Absenderzeile. Das System kennt meine Markenregeln und hält sich daran, ohne dass ich sie jedes Mal neu erkläre.
- 4
Szene als Code schreiben
Rund 800 Zeilen für 37 Sekunden. Fallende Fragen mit echter Schwerkraft, eine Klappuhr wie am Bahnhof, eine Grafik, die sich selbst zeichnet, mein Foto vor riesigen Buchstaben.
- 5
Anschauen und korrigieren
Das ist der entscheidende Schritt. Die KI rendert Probebilder, schaut sie sich an und findet ihre eigenen Fehler. Im ersten Durchlauf lagen alle Szenen übereinander, ein Lichteffekt war unsichtbar und ein Satz berührte meinen Arm. Vier Korrekturrunden liefen, bevor ich das Video überhaupt gesehen habe.
- 6
Rechnen und ausliefern
Neun Minuten rechnet mein Laptop an einer Fassung. Danach kamen Musik, Geräusche und das zweite Format für Instagram.
Im Netz liest du gerade oft, so ein Video entstehe mit einem einzigen Prompt. Für ein Showreel ohne Inhalt mag das stimmen. Sobald Fakten, Marke und Plattform passen müssen, braucht es Schritt 1 und Schritt 5, und beide funktionieren nur, weil mein System Zugriff auf meinen Kalender und meine Website hat.
Welche Musik darf unter ein Werbevideo?
Bei Musik unter einem Werbevideo ist die erste Frage rechtlich: Darfst du sie kommerziell nutzen? Die Plattform Pixabay erlaubt das kostenlos und ohne Namensnennung. Die Falle steckt woanders: Gut vier von fünf der Tech-Tracks, die mein System dort geprüft hat, sind bei einer automatischen Rechteerkennung angemeldet („Content ID“). Dann kann dir eine Plattform eine Urheberrechtsmeldung schicken, obwohl du alles richtig gemacht hast. Mein System hat deshalb nur Tracks ohne diese Kennzeichnung vorgeschlagen.
- 1
Drei Vorschläge, ich wähle
Die KI kann nicht hören. Sie hat drei Tracks nach Stimmung, Länge und Lizenz ausgesucht, das Ohr war meins.
- 2
Takt messen
Das System hat den Track vermessen: 120 Schläge pro Minute, also alle halbe Sekunde ein Schlag, und nach 32 Sekunden ist Schluss. Für 37 Sekunden Video hat es den Track um zehn Prozent verlangsamt, ohne dass sich die Tonhöhe ändert.
- 3
Bild auf den Schlag legen
Die großen Momente liegen genau auf Schlägen der Musik: die Implosion, mein Auftritt, der Klick auf „Jetzt anmelden“, die Endkarte. Darum fühlt sich das Video richtig an.
- 4
Geräusche aus Mathematik
Klicks, Tastenanschläge, das Klappen der Uhr, der Einschlag. Alle 193 Geräusche sind aus Formeln erzeugt statt aus fremden Aufnahmen, eine Lizenzfrage stellt sich dafür gar nicht.
Was kostet ein Werbevideo aus Code?
Außer dem KI-Abo hat das Video nichts gekostet. So verteilt sich die Arbeit:
| Werkzeug | Aufgabe | Kosten |
|---|---|---|
| Claude Code (KI-Assistent auf dem Laptop) | Drehbuch, Code, Prüfen der Probebilder | im KI-Abo enthalten |
| Chrome ohne Fenster | 1.110 Einzelbilder fotografieren | kostenlos |
| ffmpeg | Bilder und Tonspur zur MP4-Datei kleben | kostenlos |
| Pixabay | Musik, kommerziell nutzbar | kostenlos |
| Geräusche per Code | 193 Klicks, Anschläge, Effekte | kostenlos |
| Mein Laptop | 9 bis 13 Minuten Rechenzeit je Fassung | Strom |
Meine eigene Zeit lag bei ein paar Minuten: Auftrag geben, drei Tracks anhören, freigeben. Das System hat einen Vormittag gearbeitet.
Was ist an Claude Opus 5.5 neu?
Videos aus Code gibt es seit Jahren, Entwickler bauen damit schon lange Animationen. Seit Claude Opus 5.5, im September 2026 erschienen, geht ein KI-Modell den ganzen Weg allein: planen, programmieren, die eigenen Bilder anschauen, Fehler erkennen, nachbessern. Es gestaltet dabei so sauber, dass das Ergebnis nach Motion-Design-Handwerk aussieht, und deshalb ist das Netz gerade voll von solchen Videos.
Das Werkzeug ist für alle gleich. Den Unterschied macht, ob du weißt, was du prüfen musst: Fakten, Marke, Lizenz und die Eigenheiten der Plattform.
Was geht gut, und wo sind die Grenzen?
Funktioniert richtig gut
- Bewegte Schrift, Formen, Grafiken und Zähler
- Nachgebaute Oberflächen wie ein Browser oder ein Formular
- Exakte Markenfarben und Schriften
- Bild im Takt der Musik
- Änderungen: Text tauschen, neu rechnen, fertig
- Ein zweites Format aus derselben Vorlage
Grenzen
- Die KI kann nichts hören, Musik wählt der Mensch
- Keine echten Menschen und kein Fotorealismus, mein Foto im Video ist ein echtes Foto
- Ohne Anschauen und Korrigieren kommt Mittelmaß heraus
- Jeder Durchlauf rechnet neun bis dreizehn Minuten
- Plattformen haben Eigenheiten, die erst die Praxis zeigt: Instagram schneidet 4:5 ab
Die Instagram-Grenze habe ich selbst erlebt. Auf LinkedIn sah das Video gut aus, Instagram bot beim Hochladen nur 1:1 oder 9:16 an und hat in beiden Fällen abgeschnitten. Mein System hat daraus eine feste Regel gemacht und noch am selben Tag die 9:16-Fassung nachgebaut. Seitdem entsteht jedes Video gleich in einem Format, das auf beiden Plattformen passt.
Drei Tipps für dein eigenes KI-Video
- 1
Gib der KI deine Markenregeln mit.
Farben, Schrift und Tonfall einmal sauber aufschreiben, dann sieht jedes Ergebnis nach dir aus und nicht nach KI.
- 2
Lass sie ihre eigenen Probebilder anschauen.
Der Auftrag „rendere Einzelbilder, schau sie dir an und korrigiere, was nicht passt“ bringt den größten Qualitätssprung.
- 3
Prüf bei Musik die Content-ID-Kennzeichnung.
Kostenlos und kommerziell erlaubt reicht nicht. Steht „Content ID Registered“ am Track, nimm einen anderen.
Häufige Fragen
Kann ich so ein Video auch selbst bauen?
Ja, mit einer KI, die auf deinem Rechner arbeiten darf, bei mir ist das Claude Code. Programmieren musst du nicht. Plane aber Geduld für zwei, drei Korrekturrunden ein und eine halbe Stunde, um die Musik auszuwählen.
Geht das auch mit ChatGPT?
Ich habe das Video mit Claude gebaut und keinen Vergleich angestellt. Entscheidend ist, dass die KI Code ausführen und sich das Ergebnis selbst anschauen kann. Ein Chatfenster, das nur Text zurückgibt, reicht dafür nicht.
Was für Code ist das?
Eine einzige Webseiten-Datei (HTML). Darin steht, was im Bild ist, wie es aussieht und eine Rechenvorschrift, die für jeden Moment ausrechnet, wo alles steht. Der Ton entsteht getrennt davon in einem kleinen Python-Programm. Bild, Geräusche und Musik laufen nach derselben Uhr, ffmpeg klebt am Ende alles zusammen.
Sieh mir beim nächsten Bau live zu
- ✓ Jeden Montag 17 Uhr: Ich zeige live, was ich zuletzt mit KI gebaut habe
- ✓ Deine Fragen zu deinem eigenen Betrieb, 30 Minuten über Google Meet
- ✓ Kostenlos, der Zugangslink kommt mit meinem Newsletter
- ✓ Dazu Strategien und Tipps, wie Selbstständige und kleine Teams KI sinnvoll nutzen
Quellen
- Pixabay: Content License Summary
- YouTube-Hilfe: So funktioniert Content ID
- FFmpeg (freies Video-Werkzeug)
- Anthropic: Claude Code
Dieser Artikel ist ein Erfahrungsbericht aus meinem eigenen Projekt, keine Rechtsberatung zu Musiklizenzen.

Ben Korbach
KI-Berater und Workshop-Trainer in Salzburg. 100+ Workshops, 1.000+ Menschen geschult. Baut KI-Systeme für Solopreneure und kleine Teams.
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